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Advance Organizer und selbstorganisiertes Lernen

Alte Methode, angewandt auf das Lernen mit neuen Medien
.

1 Ausgangssituation

Der Kurs richtet sich an Betriebsräte, von denen angenommen werden kann, dass sie aufgrund ihrer Funktion und Erfahrungen ein großes inhaltliches Interesse am Thema haben und daher stark intrinsisch motiviert sind. Medienkompetenz und Selbstlernfähigkeit sind jedoch unterschiedlich ausgeprägt. Das Tutorial wird im Rahmen eines maximal sechswöchigen getakteten Kurses angeboten, der zu Beginn und Ende von je einem Präsenztag eingeschlossen wird. In der Zwischenzeit wird über das Forum und im Einzelfall via Email kommuniziert.

2 Die Aufgabe

Der Kurs behandelt sowohl abstrakte juristische Aspekte als auch handlungsorientierte Fragen und wird sowohl in audiovisueller als auch textueller Form präsentiert. Über die Beschäftigung mit der Materie und die Vertiefung in Details kann es jedoch passieren, dass Lernende ihre Zielorientierung, ihre Motivation oder ganz einfach den Überblick verlieren. Es bedarf daher einer Methode, die die Lernenden darin unterstützt, sich selbst Ziele zu setzen, ihre Fortschritte zu kontrollieren und ihre eigene Aktivität zu steuern.

3 Die Lösung

Dazu bietet sich vor allem der Einsatz eines Advance Organizers an. Vielleicht als Lernplaner ins Deutsche zu übersetzen.  Er besteht hier aus einem Formular mit drei Spalten, das von den Lernenden individuell oder in Gruppenarbeit auszufüllen ist.

Thema: …

Was weiß ich darüber? Was will ich darüber wissen? Was habe ich darüber gelernt?
.
.

Das Formular kann im Rahmen der einführenden Präsenzphase vorgestellt und die ersten ein oder zwei Spalten ausgefüllt werden. Die zweite Spalte kann während des Kurses ergänzt werden. Die dritte Spalte wird entweder im Laufe des Kurses oder in der abschließenden Präsenz ausgefüllt.

4 Die Wirkung des Advance Organizers

Durch die Beantwortung der Frage „Was weiß ich über das Thema?“ stellen die Lernenden einen Bezug zu ihrem Vorwissen und ihren eigenen Alltagserfahrungen her. Dadurch können die im Kurs vermittelten Informationen besser mit schon vorhandenem Wissen verknüpft werden, was die Verstehens- und Behaltens-Leistung fördert.

Mit der Beantwortung der Frage „Was will ich über das Thema wissen?“ formulieren die Lernenden Fragen, die sie an den Kurs richten. Damit kehrt sich das Subjekt-Objekt-Verhältnis zwischen Kurs (oder Lehrenden) und Lernenden um. Es ist nicht mehr der Lernende, der sich der Struktur des dargebotenen Wissens unterordnet und den Kurs brav von vorne bis hinten abarbeitet. Sondern der Lernende richtet Fragen an den Kurs und nimmt sich dasjenige heraus, was ihn interessiert. Der Lernende kann sich zum aktiven Part erheben.

Mit der Beantwortung der Frage „Was habe ich gelernt?“ können die Lernenden einerseits für sich selbst eine Erfolgskontrolle vornehmen, indem sie einen Vergleich zu den Fragen der Spalte zwei ziehen. Fällt der Vergleich negativ aus, können sie vom Kursmoderator eventuell weiteren Input anfordern.

Außerdem wird mit den Eintragungen in dieser Spalte das Wissen verdichtet. Komplexe Zusammenhänge werden nochmals in eigenen Worten, in kurzen Sätzen oder Begriffen zusammengefasst. Dadurch können die Lernenden später leichter auf diese Inhalte wieder zugreifen.

5 Varianten im Einsatz

  • Als Formular verwendet die Kursleiterin ein Flipchart, dessen erste und zweite Spalte alle Teilnehmer gemeinsam in der einführenden Präsenz ausfüllen. Ein Foto des Flipcharts wird zum Download ins Forum gestellt oder auf eine vorbereitete Bildschirmseite im Online-Modul.
    Die dritte Spalte des Flipcharts wird gemeinsam in der abschließenden Präsenz ausgefüllt.
  • Die gleiche Vorgehensweise ist auch mit Gruppen möglich – eventuell mit Gruppen, die auch in der Onlinephase zusammenarbeiten.
  • Jede Teilnehmerin bekommt ein vorbedrucktes Blatt Papier, dessen erste zwei Spalten sie für sich in der ersten Präsenz ausfüllt. Eventuell findet darüber ein Austausch statt. Vor der abschließenden Präsenz füllen sie die dritte Spalte aus. Die Ergebnisse werden im Plenum verglichen.
  • Im Onlinemodul wird ein Formular eingebaut, das von den Lernenden editiert werden kann – entweder von allen gemeinsam, gruppenweise, oder von jeder Lernenden individuell. Die erste und teilweise die zweite Spalte werden schon in der einführenden Präsenz ausgefüllt.

Sicher sind noch andere Einsatzvarianten des Advanced Organizers denkbar, zB unter Verwendung des Forums. Fehlende technische Möglichkeiten sind kaum ein Problem, wenn die didaktischen Überlegungen stimmen.

6 Referenzen

http://tip.psychology.org/ausubel.html
http://web.cortland.edu/frieda/ID/IDtheories/10.html
http://www.csudh.edu/dearhabermas/advorg03.htm
http://en.wikipedia.org/wiki/David_Ausubel
http://de.wikipedia.org/wiki/David_Ausubel

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