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MoodleMoot 2009: „Das hätte ich mir als Kind gewünscht“

Moodle Moot Austria 2009Peter Baumgartners Eingeständnis auf der österreichischen MoodleMoot 2009 am 24. und 25. September verrät vielleicht mehr als beabsichtigt: Die  Lehrenden, AdministratorInnen, TrainerInnen und ProgrammiererInnen, die hinter Moodle stehen, leben mit dieser OpenSource-Plattform vielleicht wirklich ihre fröhlichen Kinderträume aus.  So war mein Eindruck bei der unbeschwerten, kreativen und geselligen Konferenz an der TU Wien. Hier ein paar Schlaglichter.

In seiner Keynote setzte sich Peter Baumgartner mit der Kritik Michael Kerres an Lernmanagementsystemen als isolierten Inseln im Web 2.0 auseinander. Für Kerres besteht die Bedeutung des Web 2.0 – in Baumgertners Worten – vor allem in der Vernetzung von Inhalten, indem zB. aus einem Lernmanagementsystem heraus auf externe Ressourcen verwiesen wird oder die Lernenden selbst im WWW recherchieren. Peter Baumgartner sieht in den Ressourcen eher das Holz, das im Lagerfeuer brennt, und was ihn interessiert, sind die Gespräche, die rund um das Lagerfeuer stattfinden. Der Kern von Web 2.0 liege mithin nicht in der Verlinkung von Inhalten, sondern in der Vernetzung der Personen.

Neue Trends, die das Web 2.0 hervorbringt, sind Projekte mit massenhafter Kooperation tausender User, Open Culture Projekte wie zB die open educational resources (www.oercommons.org) oder der Austausch von Lernmaterialen unter Lehrern (lreforschools.eun.org).

Aber auch im hart kalkulierenden Produktionsbereich gibt es Beispiele, wie die globale Kommunikation der Zulieferer bei Boeing oder die sogenannte Peer Production bei Lego, wo die Hacker, die den neuen Roboter-Chip knackten, nicht verklagt, sondern angeheuert wurden. Jetzt kann man sich bei Lego virtuell ein Modell erstellen und dann genau die dafür benötigten „Steine“ und anderen Bauteile bestellen – was sich Peter Baumgartner schon als Kind gewünscht hätte, als es Legosteine nur in vorportionierten Bausätzen gab.

Um auf eLearning zurück zu führen: LMS wie Moodle und Co haben für Peter Baumgartner auch in der Welt des Web 2.0 einen Auftrag, weil sie einen geschützten Raum bereit stellen, in dem erste Schritte gewagt werden können. Nicht jede oder jeder möchte seine Elaborate gleich ins weltweit zugängliche Web stellen. Aber es ist wichtig, dass die LMS Web 2.0-Funktionalitäten integrieren. Mehr dazu im Weblog von Peter Baumgartner (www.peter.baumgartner.name)

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Magic Studio: Autorenwerkzeug mit Geschäftsmodell

Ralf Hilgenstock – Geschäftsführer von eLeDia und deutscher Moodle-Meister – beschäftigte sich mit der Frage, wie für Schulen hochwertiger Content bereit zu stellen sei, und präsentierte mit der Plattform Magic Content Exchange bzw. der Software Magic Studio eine Lösung. Dabei ging er von drei – gleichermaßen unbefriedigenden Szenarien aus:

  • Archive und Museen verfügen über viele Resourcen, oft sogar in digitalisierter Form. Aber aus der Sicht der Lehrenden und Lernenden sind diese Resourcen roh und nicht geeignet, um sie zB in ein WBT einzubinden oder direkt darauf zu verlinken.
  • Schulbuchverlage verfügen ebenfalls über hochwertigen Content, könnten diesen auch für eLearning-Zwecke aufzubereiten, aber sie fürchten sich davor, die Verfügung über ihre Inhalte aus der Hand zu geben. Bisher gibt es einfach kein geeignetes Geschäftsmodell für Verlage.
  • Und dann gibt es noch Lehrende, die gerne selbst eLearning-Kurse erstellen würden. Aber ihnen fehlen die geeigneten Werkzeuge – die bekannten Werkzeuge eXe und Hot Potatoes sind mit ihren Gestaltungsmöglichkeiten nicht mehr auf der Höhe der Zeit.

Um in all diesen Fällen eine Lösung bieten zu können, ist Hilgenstocks Unternehmen in Verhandlungen mit der britischen Magic Studio Ltd getreten, um eine deutsche Version der Plattform Magic Content Exchange anzubieten. Diese Plattform ermöglicht es Lehrenden, Verlagen und Bildungsträgern, mit Magic Studio erzeugte Resourcen gratis oder gegen eine geringe Gebühr zur Nutzung bereit zu stellen (www.magicstudio.com/repository).

Von der Software Magic Studio (www.magicstudio.com) gibt es als Einstiegsdroge eine Gratisversion. Sie ermöglicht, interaktive Lernobjekte wie Drag’n‘ Drop Activites, Multiple Choice Quizzes, Timelines und Image Explorer unter Verwendung von Text, Grafik, Audio und Video zu erstellen.  Damit erzeugte Inhalte können als SCORM-Paket oder Flash-Objekt exportiert und weiter gegeben werden. Oder: à la Youtube kann man nur einige Zeilen Code in eine andere Resource einzubetten.

Meiner Meinung nach ist das ein spannendes Projekt, weil sich hier Open Content Bewegung, Bildungsanbieter und auf Geschäftsmodelle bedachte Verlage gegenseitig befruchten – oder miteinander in Wettbewerb treten können. Der Wermutstropfen: Das Ganze bleibt an die Plattform, die proprietäre Software und die Standards eines kommerziellen Anbieters gebunden. Aber diesen kann man nicht dafür schelten, dass es noch keine offene Plattform für den Austausch von Lernobjekten gibt.

Moodle für Kontroll-Freaks

Die zweite Keynote am Freitag Vormittag von Prof. Thomas Bauer zum Thema „Mediatisierung und Medialisierung als Charakteristik des sozialen Wandels“ war weniger fröhlich, als Peter Baumgartners Beitrag.  Was mir im Zusammenhang mit Lernmanagementsystemen wie Moodle davon erwähnenwert erscheint: Mit den technischen Festlegungen legen wir Rollenbilder, soziale Erwartungen und Formen der sozialen Kontrolle fest. Technische Lösungen erfordern Anpassung. Kompetenzentwicklung besteht oft aber auch in der Verweigerung von Anpassung.  Die PowerPoint-Folien zum Vortrag gibt’s auf der Website von Thomas Bauer.

Perle für Moodle-Admins: Gruppierungen

Und dann gibt es bei solchen Konferenzen noch die kleinen Perlen, die man eher zufällig findet. Denn wie soll man etwas finden, , wenn man den Suchbegriff vorher nicht kennt? Gerhard Schwed von der Donau-Universität Krems sprach über individuelle Rechte-Vergabe für einzelne Moodle-Topics. Ganz klar ein Thema für Moodle-Administratoren und gehobene Kursverwalter.

Die Frage: Wie kann man in Moodle einen komplexen, mehrere Semester dauernden Lehrgang so organisieren, dass die Beteiligten nicht in einer Unzahl von Kursen, Metakursen, Unterkursen und Gruppen ersticken? Gerhard Schwed erläuterte dazu das experimentelle Moodle-Feature Gruppierungen. Anwenden lässt sich dieses Feature vor allem dann,  wenn man komplexe Lehrgänge in einem einzigen Moodle-Kurs unterbringen möchte.

Einsortiert unter:Allgemeines, Anwendungen, e-Learning, Tools & Tipps, Verlagswesen, , , , , , , , ,

One Response

  1. […] 2.0 vs Lernplattformen? In den letzten Tagen ist an verschiedenen Orten das Verhältnis von offenem web 2.0 und geschlossenen Lernplattformen diskutiert worden. Michael […]

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