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Mein OYO und ich – Ein Erfahrungsbericht

Hab mir vor Weihnachten bei Thalia einen OYO-eReader besorgt, um „zwischen den Jahren“ geistig nicht darben zu müssen. Hier in Stichworten mein Erfahrungsbericht, der hoffentlich etwas über den oberflächlichen Vergleich von Features in manchen Computer-Zeitschriften hinaus geht.

Das fängt ja gut an! Ich will mit dem neuen Gerät gleich noch im Büro die WLAN-Anbindung über’s Firmennetz aktivieren. Aber da wird irgendeine Gerätekennung verlangt. Na gut, ich überlasse das unserem EDV-Administrator. Wenn mir das zuhause passiert, bin ich aufgeschmissen.

Ist das Mal erledigt, kommt man mit dem OYO mit einem Klick in den Thalia-Bookshop. Es ist ja schön, dass einem da allerhand Groschenromane unter die Nase gehalten werden. Man kann aber auch gezielt nach Titeln oder Autoren suchen. Die Ergebnisliste ist in der Darstellung leider ziemlich unbrauchbar: Vom Titel werden meist nur die beiden ersten Worte angezeigt. Eine ernsthafte Recherche ist mühsam und kaum zumutbar. Wenn OYO diesen eReader vor allem deshalb auf den Markt gebracht hat, um den eBook-Absatz anzukurbeln, dann wird das so nicht funktionieren.

Antizipierendes Blättern

Aber ich bin gebürtiger Schwabe und wollte eigentlich eh kein unnötiges Geld ausgeben, denn ich habe einige Texte im PDF-Format und sogar ein paar richtige eBooks im ePub-Format. Die lade ich mir einfach über die USB-Schnittstelle hoch. Und voilá! Sogar die PDFs werden im Reflow-Modus ganz passabel dargestellt, man kann sie auf den ersten Blick kaum von einem „richtigen“ eBook im ePub-Format unterscheiden.

Ich habe eine längere Busfahrt vor mir. Anstatt wieder Mal viel Papier auszudrucken, wandle ich einige Texte in PDFs um und exportiere auch gleich die Überschriften als Bookmarks, damit ich dann ein navigierbares Inhaltsverzeichnis habe – OpenOffice machts möglich. Und meine Freude ist groß. In einem Artikel im Umfang von sieben Druckseiten mit zwölf Kapiteln kann ich am OYO komfortabel über’s Inhaltsverzeichnis navigieren. Komfortabel? Naja, der OYO braucht halt immer eine Weile, um auf Eingaben zu reagieren. Manchmal überlegt er es sich so lange, dass der Anwender meint, er habe zu leicht auf den Touchscreen getippt, und es noch einmal versucht. Dann blättert der OYO plötzlich zwei Mal um. Aber daran kann man sich gewöhnen. Ich gebe den Umblättern-Befehl, sobald ich fünf Zeilen vor Seitenende angelangt bin – „antizipierendes Blättern“ nennt sich das.

Im Zuge des längeren Gebrauchs bin ich auf einige Dinge gestoßen, die die OYO-Reader-Software gar nicht mag:

  • Aufzählungen werden fehlerhaft dargestellt;
  • Grafiken und Tabellen sind kaum brauchbar rüber zu bringen;
  • Querverlinkungen im Text sind schwer zu bedienen, weil man mit dem Finger auf dem Touchscreen kaum den richtigen Link trifft.
  • Von mehrstufigen hierarchischen Inhaltsverzeichnissen längerer Artikel oder Bücher wird nur die oberste Ebene dargestellt.

Auf in die weite WWWelt

Ein Vorteil gegenüber manch anderen eReadern ist, dass man via WLAN auch ins Internet gelangt. Nicht nur in den Thalia-Shop, sondern in die ganze weite WWWelt. Die Schriften kommen etwas zu klein rüber. Aber um sie zu skalieren, gibt es in dem Browser eine Plus- und eine Minus-Taste. Leider wirkt sich das meist nur auf die Abstände zwischen den Absätzen aus, die Schriften bleiben, wie sie sind. Ob das jetzt ein Problem des OYO oder der Webseiten ist, kann ich nicht beurteilen. Aber so macht das Web keinen Spaß.

Dazu kommt, dass viele Webseiten keine Mobil-Version anbieten. Die werden dann einfach zu breit dargestellt, so dass man horizontal scrollen müsste. Gottseidank verfügt der OYO über einen Landscape-Modus. Aber der lässt sich leider nicht aktivieren – weder durch einfaches Kippen des Gerätes, noch als fixe Einstellung über das Options-Menü.

Ein Vorteil der eReader ist ja angeblick, dass die Oberfläche der eines Buches gleicht, sie blenden nicht so gräßlich wie ein iPad, bei dem einen nach zehn Minuten Lesen die Augen weh tun. Der OYO bietet da leider das andere Extrem: Der Bildschirm-Hintergrundgrund ist so dunkel, dass man bei schlechtem Licht einfach nichts mehr erkennt. 50+ fällt da als Zielgruppe aus.

Ein anderes Problem hat sich – derweil – wieder gelegt. Zeitweise ist das Gerät nach dem Aufwecken aus dem Standby-Modus regelmäßig abgestürzt. Jetzt funktioniert’s. Aber es berunuhigt mich, wenn etwas ohne äußeren Anlass plötzlich wieder funktioniert.

Ganz in Ordnung ist übrigens der MP3-Player. Man darf sich nur nicht zu viele Dateien auf das Gerät kopieren, denn die Datei-Verwaltung verdient den Namen nicht. Ich werde mir für die nächste Busfahrt griechische Sagen von Michael Köhlmaier auf den OYO kopieren – sobald er vom Laptop wieder als USB-Massenspeichergerät erkannt wird.

Fazit

Eigentlich ein sympathisches Produkt, einige SoftwareMängel lassen sich vielleicht durch ein Update beheben. die hardware-bedingten Fehler wie lange Reaktionszeit oder dunkles Display lassen sich beim aktuellen Produkt halt nicht mehr ändern. Daher kann ich diese Version des OYO nicht empfehlen. Gute Idee, gutes Konzept, leider schlecht umgesetzt.

Weitere Informationen

Auge um Auge: Oyo gegen Kindle

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